Equal Pay Day.

Stell dir vor, du machst genau den gleichen Job, wie dein Kollege gegenüber, bekommst dafür aber weniger bezahlt? Ist das gerecht?

Business and Professional Women haben den Aktionstag Equal Pay Day nach Europa gebracht und  berechnen seit 2009 den Equal Pay Day auch für Österreich. Leider ist es immer noch so, dass Frauen und Männer ungleich entlohnt werden, besonders krass sind die Unterschiede bei den Angestellten und Arbeiter*innen. Aktuell liegt die Einkommensdifferenz in Österreich, der viel zitierte Pay Gap im Durchschnitt bei 15,2 %. Umgerechnet sind das 56 Arbeitstage, die Frauen kostenlos arbeiten, oder jedes 7. Jahr.

Column 1 Column 2 Column 3 Column 4
Anteil des Fraueneinkommens am Einkommen der Männer (Vollzeit in Prozent)
Bergbau 105 ergibt + 5 %
Wasser- und Abfallversorgung 94 ergibt – 6 %
Bau 94 ergibt – 6 %
Beherbergung und Gastronomie 91 ergibt – 9 %
Verkehr und Lagerei 90 ergibt – 10 %
öffentliche Verwaltung, Sozialversicherung 90 ergibt – 10 %
Gesundheits- und Sozialwesen 87 ergibt – 13 %
Kunst, Unterhaltung und Erholung 82 ergibt – 18 %
Handel, Kfz-Reparatur 80 ergibt – 20 %
Information und Kommunikation 77 ergibt – 23 %
Herstellung von Wren 75 ergibt – 25 %
Energieversorgung 75 ergibt – 25 %
Immobilienwesen 75 ergibt – 25 %
Finanzdienstleistungen 74 ergibt – 26 %
Erziehung und Unterricht 74 ergibt – 26 %
freiberufliche wissenschaftliche und

technische Dienstleistungen

70 ergibt – 30 %
sonstige Dienstleistungen 66 ergibt – 34 %
Gesamt (gerundet) 84 ergibt – 16 %

Diese Differenz ist keine Schätzung, sie beruht auf dem Einkommensbericht der Statistik Austria, also durchaus valide. Es wird Gleiches mit Gleichem verglichen, also nicht Telefonistin mit Manager, Koch mit Autoverkäufer. Auch Teilzeitarbeit oder ehrenamtliche Tätigkeiten fallen nicht ins Gewicht, weil nur ganzjährige Vollbeschäftigte gegenübergestellt werden.

Alle Daten liegen im Detail vor – für unterschiedliche Branchen genauso, wie für Bundesländer im Vergleich.

Column 1 Column 2 Column 3 Column 4 Column 5 Column 6 Column 7
Wien -6% ergibt 22 Tage > EPD Wien 22. Jänner
Niederösterreich -14,9% ergibt 54 Tage > EPD NÖ 2020 23. Februar
Kärnten – 15,9 % ergibt 58 Tage > EPD Kärtnen 27. Februar
Burgenland – 16,1 % ergibt 59 Tage > EPD Burgenland 28. Februar
Salzburg – 17,6 % ergibt 64 Tage > EPD Salzburg 04. März
Steiermark – 18,3 % ergibt 67 Tage > EPD Steiermark 07. März
Tirol -19,1 % ergibt 70 Tage > EPD Tirol 10. März
– 20,4 % ergibt 74 Tage > EPD OÖ 14. März
Vorarlberg -24,3% ergibt 89 Tage > EPD Vorarlberg 2020 29. März

Das Thema geht alle an

Der Pay Gap ist nicht nur ein Frauenthema, der Gehaltsunterschied zeigt sich am Kontostand der Frau, stellt gesamt eine Lücke im Haushaltseinkommen dar. Die fehlenden 15 % sind vielleicht Grund dafür, dass Kredite langsamer zurückbezahlt werden, der Schulschikurs nicht finanziert werden kann oder die Familie den gemeinsamen Urlaub streichen muss. Um dafür Bewusstsein zu schaffen, haben die BPW dieses Jahr eine Equal Pay Day Kampagne entwickelt, die bewusst Männer zu Wort kommen lässt, denn immerhin finden 70 % der Männer die geringere Entlohnung von Frauen ungerecht. Da der Equal Pay Day 2020 auf den Faschingsdienstag fällt, trägt die Promotion den Hashtag #nichtlustig.

Gemeinsam für Einkommensgerechtigkeit in Österreich!

Der Gender Pay Gap ist nicht gerecht und nicht zu argumentieren, es bedarf Bewusstseinsbildung für diese Einkommensdifferenz und gemeinsame Bemühungen, Gerechtigkeit herzustellen…


In Österreich besteht im europäischen Vergleich ein hohes geschlechtsspezifisches Lohngefälle zwischen Frauen und Männern. Der Equal Pay Day macht diese Einkommensunterschiede einmal mehr deutlich sichtbar. Diese Unterschiede setzen sich – noch verstärkt durch Erwerbsreduktionen und -unterbrechungen – auch in der Pension fort, denn Pensionistinnen erhalten im Schnitt knapp 40 Prozent weniger Pension als Männer. Es ist daher wichtig, gemeinsam die Position von Frauen am Arbeitsmarkt zu verbessern und zusätzlich auch Frauen sehr frühzeitig umfassend zu informieren, welche Auswirkungen Lebensentscheidungen auf die eigenständige finanzielle Absicherung im Alter haben.

Mag. a Ines Stilling
ehem. Frauenministerin;
Leiterin Sektion III – Frauenangelegenheiten und Gleichstellung im Bundeskanzleramt

Weniger Gehalt bedeutet auch weniger Pension: Altersarmut ist weiblich. Hier müssen wir endlich aktiv werden, um Frauen auch im Alter ein selbstbestimmtes Leben zu garantieren.

Henrike Brandstötter
Abgeordnete zum Nationalrat (Neos)
Frauensprecherin

Gleiches Gehalt für gleiche Leistung ist ein Grundsatz, der auf jeden Fall besonders für Frauen zu gelten hat. Damit dies auch “tatsächlich” zu einer Gehaltsangleichung führt, müssen Mädchen und Frauen motiviert werden, bei der Berufsentscheidung verstärkt auf die Verdienstmöglichkeiten zu achten. Zudem müssen sie bereit sein, Verantwortung in Führungspositionen zu übernehmen. Ich habe in meinem beruflichem Umfeld viele sehr starke und erfolgreiche Frauen kennen gelernt, welche meinen höchsten Respekt verdienen. Wir sollten allerdings auch jenen Frauen mit großem Respekt gegenübertreten, die sich bewusst für mehr Zeit für die eigene Familie und gegen eine berufliche Karriere entscheiden, denn auch sie leisten einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft.

Mag. Gerhard Kaniak
Abgeordneter zum Nationalrat, FPÖ

Österreichs Frauen sind top ausgebildet und auch bei den Firmengründungen stehen sie den Männern um nichts nach. Warum gibt es dann noch Unterschiede? Es sind oftmals fehlende Unterstützungssysteme, falsche Berufsentscheidungen und manchmal auch der Mut, Komfortzonen zu verlassen. Daher sind Vorbilder, Mentoring-Programme, Kinderbetreuungsangebote und bewusste strategische Berufsentscheidungen einige Ansätze wie dieser gap geschlossen werden kann.

Mag.a Doris Hummer
Präsidentin WKO Oberösterreich

Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern sollten im 21. Jahrhundert nicht mehr diskutiert werden müssen. Wir bei Infineon Austria bekennen uns zu Gendergerechtigkeit und haben ein einheitliches Gehaltsschema für Männer und Frauen. Das ist eine Frage einer zeitgemäßen Unternehmenskultur, und dazu bekennen wir uns bewusst. Damit einhergehen müssen auch strukturelle Maßnahmen etwa bei der Kinderbetreuung, bei Karenzmodellen für Frauen und Männer, der Pflege von Angehörigen oder auch bei Regelungen für digitale Arbeitsplätze, die es Frauen ermöglichen, ihren Karriereweg ohne Abstriche gehen zu können.

Sabine Herlitschka
Vorstandsvorsitzende Infineon Technologies Austria AG

In Vorarlberg leisten die Frauen sogar 100 Tage im Jahr unbezahlte Arbeit. Das ist nicht akzeptabel. Wir brauchen einen Mindestlohn und müssen versuchen, die Teilzeitquote zu erhöhen. Das ist im Landesdienst bereits gelungen. Die Wirtschaft, aber auch die Bildungseinrichtungen sind gemeinsam mit der Politik gefordert, entsprechende Schritte zu setzen.

Katharina Wiesflecker
Landesrätin Vorarlberg (Die Grünen)

Der Equal Pay Day ermöglicht es, in sehr konzentrierter Form auf ein wichtiges gesellschaftliches Problem aufmerksam zu machen, das sonst gerne unter den Teppich gekehrt wird. Die öffentlichkeitswirksame Aktion trägt damit ganz wesentlich dazu bei, das Ungleichgewicht in der Bezahlung von Frauen und Männern langsam aber stetig zu verbessern, weil sie Bewusstsein für das Thema schafft und es vor den Vorhang holt.

Sonja Sheikh
Geschäftsführerin ACR Austrian Cooperative Research

Meine Eltern gaben mir viel Sinn für Gerechtigkeit mit auf den Lebensweg, da sie eine unterschiedliche Behandlung zwischen meinem Bruder und mir nicht zuließen. In Österreich begegnen Mann und Frau einander auf Augenhöhe – doch nur an 293 Tagen im Jahr. Gleiches Einkommen und gleiche Aufstiegschancen für Frauen und Männer an 365 Tagen im Jahr sind mir daher auch im heutigen Berufsalltag ein echtes Herzensanliegen!

Univ.-Prof. DDr. Mag. Eva Schernhammer
Leiterin, Abteilung für Epidemiologie
Medizinische Universität Wien – Zentrum für Public Health

Wir besetzen als Salzburger Personalberatung Experten und Management Positionen. Wir besetzen bei Führungspositionen nur 15 % Frauen. Das ist traurig genug. Aber noch auffallender ist es, dass Frauen weit weniger auf ein hohes Gehalt pochen, sondern eher bereit sind auf Geld zu verzichten, wenn der Job interessant ist. Kaum ein Mann wechselt zu schlechteren Konditionen. Da entscheidet sich Equal-Pay oder nicht bereits vor Arbeitsbeginn…“

Mag.a Birgit Polster
Geschäftsführerin acctus Personalberatung (Salzburg)

Gender Equality Plans, Diversity Strategien, Gehaltsbarometer, Gender Budgeting . . . es gibt eine Reihe an Maßnahmen, die dazu beitragen sollen, dass Männer und Frauen gleich behandelt, gleich bezahlt werden. Und dennoch „feiern“ wir immer noch den Equal Pay Day. Pläne und Strategien sind wichtig, aber noch wichtiger ist die systematische und konsequente Umsetzung dieser Maßnahmen, damit Frauen endlich genauso viel verdienen wie Männer!

Mag.iur Anna Steiger
Vizerektorin TU Wien für Personal & Gender
Vice Rector TU Vienna for Human Resources & Gender

Im Leben bekommt man nicht was man verdient, sondern was man verhandelt. Nichts entschuldigt die Tatsache, dass es diesen pay-gap gibt. Aber statt sich passiv damit abzufinden, kann ich durch eigenes Verhandlungsgeschick aktiv etwas dagegen tun. Denn das habe ich in der Hand!

Dr. Claudia Winkler LL.M.
Head of The Negotiation Academy

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist eine seit bereits über 100 Jahren bekannte und leider immer noch aktuelle Forderung. Die Lebensbedingungen für Frauen und Männer haben sich zwar stetig verändert, doch die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern klafft noch immer weit auseinander.

Auch ich finde es traurig, dass diese Forderung im Jahr 2020 zum großen Teil noch immer Vision ist. Daher ist es umso wichtiger, dass mit dem „Equal Pay Day“ jedes Jahr auf diese Diskriminierung aufmerksam gemacht wird. Die Wirtschaft und die Politik sind dringend gefordert adäquate Maßnahmen zu setzen, um den Gender Pay Gap zu schließen!

Mascha Auracher
Vizebürgermeisterin Lenzing/OÖ (SPÖ)

Wo Frauen meiner Meinung nach Stärkung brauchen: Netzwerke Pflegen – auch international, Mut zum Verhandeln – ich will sagen, nach vorne gehen; Quote für AR und Vorstand bis es passt; Mentor finden; Wenn Frauen Kinder haben: Verständnis bei Vorgesetzten und Kollegen schärfen.

Ursula Stowasser-Painhaupt
Personal Consulting

Dieser Pay Gap existiert in unserer Kanzlei nicht, da absolut kein Unterschied zwischen den Geschlechtern in der Bezahlung bzw. Einstellung gemacht wird. Bezahlt wird einzig nach Qualifikation und ausgeführter Tätigkeit.

Wir sind für Frauen und Männer ein sehr attraktiver Arbeitgeber, da wir immer wieder versuchen, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Familie, Kindern und Arbeit einzugehen und für den bzw. die jeweilige/n MitarbeiterIn die optimale Lösung zu finden, zum Beispiel Wechsel von Vollzeit in Teilzeit, Arbeit im Home-Office, Urlaubsplanung in den Ferien, geringfügige Anstellung während der Kindererziehungszeit oder diverse Ausbildungen, um die Rückkehr zu erleichtern. Gehaltsmäßig gibt es wegen Kindern bei uns in der Kanzlei keine Einbußen.

Mag. Andreas Gruber
Steuerberater und Wirtschaftstreuhänder, Vöcklabruck (OÖ)

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit sollte heute selbstverständlich sein. Dem ist aber nicht immer so. Frauen verdienen nach wie vor oft weniger als Männer. Die aktuellsten Statistiken belegen, dass Frauen in Oberösterreich im Durchschnitt nur 79,3 % der Einkommen von Männern erhalten. Daher ist es ein wichtiges Ziel, die Einkommensschere zu schließen, um damit auch Einkommensgerechtigkeit zwischen Frauen und Männern zu schaffen. Die Frauenstrategie Frauen.Leben 2030 des Landes OÖ. beinhaltet verschiedene Maßnahmen, um dies voran zu treiben“, so Beate Zechmeister die Leiterin des Frauenreferates des Landes OÖ.

Dipl. Päd.in Beate Zechmeister, M.A.
Leiterin Frauenreferat des Landes Oberösterreich

Mich berührt diese Ungerechtigkeit sehr, dass Frauen um ca. 15 % weniger verdienen bzw. mehr arbeiten müssen als Männer, um das gleiche Einkommen für vergleichbare Arbeit zu erhalten. Darauf müssen wir laufend aufmerksam machen – jahrein, jahraus, bis der Equal Pay Day der 31.12. ist! Für mich ist das eine wichtige Aufgabe von BPW, die ja auch von anderen Institutionen aufgegriffen wurde und laufend thematisiert wird.

Mag.a Cornelia Pessenlehner
Selbstständige Burn-Out-Prophylaxe-Trainerin, Ayurveda-Kochlehrerin
Präsidentin BPW Austria

Drehen wir die Medaille um! Equal Pay ist eine Chance für Unternehmen, denn Transparenz ist positiv und ein Zeichen für Offenheit in der Unternehmenskultur. Equal Pay motiviert, weil alle Mitarbeiter erfahren, welche Leistungen wie honoriert werden, egal ob von einer Frau oder einem Mann erbracht. Es ist ein Zeichen von Fairness und Wertschätzung, das sich vor allem in der Akquise von neuen (guten) Teamplayern als Magnet erweisen kann.
Ein Argument gegen Equal Pay fällt mir nicht ein, es ist einfach nicht zu rechtfertigen, dass Frauen um 15 % weniger “verdienen”.

Ingrid Rochelt
Marketing-Expertin Foocus Mehrwert Marketing
Vize-Präsidentin BPW Austria

Gemeinsam für Einkommensgerechtigkeit in Österreich! Setzte auch du ein Zeichen und sprich darüber! Frage nach, zeige auf und fordere ein.

Die Rote Tasche
Die „Rote Tasche“ steht für die Roten Zahlen in den (Geld)Taschen von Frauen. Sie ist seit den 1960er Jahren ist sichtbares Symbol für die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern. Rote Taschen begleiten engagierte Frauen oft das ganze Jahr über, als stetige Erinnerung, aufmerksam gegenüber vielfältige diskriminierenden Faktoren zu sein.