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Kunst hautnah erleben

Schon beim Betreten des Ateliers von Ulli Knall wurde klar: Hier geht es nicht um perfekte Ordnung, sondern um Geschichten. Zwischen Keramiken, Bildern, Skulpturen und Objekten aus vergangenen Ausstellungen gab es überall etwas zu entdecken. Fast jedes Werk schien seine eigene Geschichte zu erzählen.

Beim BPW-Clubabend führte Ulli die Besucherinnen durch ihre Räume und gab einen sehr persönlichen Einblick in ihre Arbeit. Viele ihrer Kunstwerke entstehen aus gefundenen Gegenständen oder alten Bildern, die sie in Caritasläden entdeckt. Sie betrachtet diese aus neuen Perspektiven, dreht sie um, ergänzt sie um eigene Ideen und schafft daraus etwas völlig Neues. Humor, Fantasie und überraschende Verbindungen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Besonders eindrucksvoll war ihre Erzählung über eine Ausstellung während der Corona-Zeit. Da die Galerie geschlossen war, verwandelte sie das Schaufenster in eine kleine Welt voller blauer Figuren. Durch regelmäßiges Umstellen entstanden immer neue Szenen und Geschichten, die Passantinnen und Passanten über Wochen hinweg verfolgen konnten.

Immer wieder wurde deutlich, wie breit die Inspirationsquellen der Künstlerin sind. Kunstgeschichte, Märchen, Fantasy, Pflanzen, Tiere und persönliche Erfahrungen fließen ebenso in ihre Arbeiten ein wie Popkultur und Alltagsbeobachtungen. Gerade diese Mischung macht ihre Werke so eigenständig und zugänglich.

Auch über ihren Weg zur Kunst sprach Ulli offen. Schon als Kind liebte sie das Arbeiten mit Ton. Der Weg ins Kunststudium verlief jedoch nicht geradlinig. Nach Rückschlägen und Umwegen fand sie schließlich ihren Platz in der Kunstwelt. Studienaufenthalte in Amsterdam und London erweiterten ihren Blick und prägten ihre künstlerische Entwicklung nachhaltig.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Realität des Künstlerlebens. Ulli sprach ehrlich über die Unsicherheiten des Kunstmarktes und darüber, dass viele Kunstschaffende zusätzliche Standbeine benötigen. Auch sie verbindet ihre künstlerische Arbeit mit Kursen, Workshops und der Arbeit mit Kindern. Ihr Atelier ist heute nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch ein Ort der Begegnung und Kreativität.

Beeindruckend war ihre Gelassenheit gegenüber dem Thema Erfolg. Früher habe sie sich stärker gefragt, ob sie genügend Ausstellungen habe oder sichtbarer sein müsse. Heute sehe sie das anders: Wenn Kunst für Menschen Bedeutung habe, würden diese ihren Weg zu ihr finden. Diese Haltung wirkte ruhig, authentisch und sehr überzeugend.

Neben der Kunst sprach Ulli auch über ihren buddhistischen Zugang zum Leben, der ihr hilft, Herausforderungen gelassener zu begegnen und den Fokus auf das Wesentliche zu richten.

Während des Abends konnten die Teilnehmerinnen selbst mit Ton arbeiten und kleine Schalen formen. Dadurch entstand eine entspannte Atmosphäre mit vielen spontanen Gesprächen und Fragen. Eine große Freude war auch, dass BPW-Schwestern aus der Schweiz dabei waren.

Am Ende blieb der Eindruck einer Künstlerin, die ihren eigenen Weg gefunden hat und diesen mit großer Offenheit geht. Ulli Knall versteht Kunst nicht als etwas Abgehobenes, sondern als Einladung, die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Genau diese Offenheit, Neugier und Freude am Experiment machten den Abend zu einer besonderen Begegnung.

Text und Bilder: Esther Schmidgall

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