
Nachbericht: BPW Vorarlberg besucht Rondo Ganahl AG
25.02.2026 @ 18:30
| KostenlosHinter den Kulissen der Rondo Ganahl AG: Von der Stoffbranche zu Papier
Am Mittwochabend, den 25.02.26, wurden wir bei der Rondo Ganahl AG herzlich von Sigrid Rauscher, Geschäftsleiterin der Rondo-Papierfabrik, empfangen. Schon das Ankommen zeigte, wie groß das Interesse an diesem Besuch war: 26 Personen, darunter auch eine Handvoll externe Interessierte, waren dabei. Während wir im Foyer auf die letzten Teilnehmerinnen warteten, entstand sofort eine offene, interessierte Atmosphäre, die den gesamten Abend prägte.
Der Abend begann mit einer Begrüßung durch unsere Past-Präsidentin Christine Schwarz-Fuchs, danach führte uns Sigrid Rauscher in ihrem sehr spannenden Vortrag auf eindrückliche Weise in die Welt der Kreislaufwirtschaft ein. Sie erklärte, wie Altpapier aus verschiedenen Sammel- und Aufbereitungsprozessen zu Recyclingpapier verarbeitet wird, das unter anderem für die Herstellung von Wellpappe eingesetzt wird, und wie dieser Kreislauf innerhalb der Unternehmensgruppe weitgehend geschlossen werden kann.

Gleichzeitig schilderte sie die aktuellen Herausforderungen rund um die Energieversorgung und den geplanten Bau eines eigenen Kraftwerks, der trotz offensichtlicher Vorteile – wie der energetischen Nutzung von nicht mehr weiterverwertbaren Reststoffen – immer wieder blockiert wird. „Es ist zeitgemäß, wenn man Industrie will“, so die klaren Worte von Frau Rauscher. Diese Offenheit machte deutlich, wie komplex die Schnittstelle zwischen Umweltauflagen, politischer Entscheidungsfindung und industrieller Verantwortung sein kann.
Mit den Worten: „Ich bin gerne hier, weil ich den wirtschaftlichen Aspekt liebe“, endete der Vortrag – und unser Rundgang durch die Produktion mit den beiden Betriebsleitern, Thomas Ogermann (Papierfabrik) und Peter Moosbrugger (Wellpappe-Werk), begann. Die Produktion ist weiterhin überwiegend männlich geprägt, doch bereits heute arbeiten auch Frauen in der Fertigung, und das Unternehmen zeigt sich offen für eine stärkere Durchmischung, sofern Interesse und Qualifikation vorhanden sind. Interessant war zudem, dass immer wieder Lehrlinge aus den Familien der Angestellten ihren Platz bei Rondo einnehmen. Es gibt neun verschiedene Lehrberufe, die derzeit bei Rondo in Frastanz von 25 Auszubildenden erlernt werden. Über 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten 365 Tage im Jahr in drei bis fünf Schichten.
Schon nach wenigen Schritten wurde sichtbar, welche Dimensionen hinter einem Produkt stehen, das wir im Alltag oft übersehen: gigantische Papierrollen, hochmoderne Maschinenanlagen, rhythmische Abläufe und ein Zusammenspiel von Technik und Handarbeit, das beeindruckt. Wir konnten beobachten, wie aus Altpapier wieder neues Rohpapier entsteht, erfuhren, wie die charakteristischen Wellen der Wellpappe geformt werden und wie verschiedene Drucktechnologien – Flexodruck, Offset- und Digitaldruck – eingesetzt werden, um Verpackungen hochwertig und individuell zu gestalten.

Besonders eindrucksvoll war die Produktvielfalt: von klassischen Stanzkartons über Obst- und Weinverpackungen bis hin zu Gefahrgutverpackungen und MC-Boxen, einer innovativen Alternative zu Holzboxen. Diese Entwicklung hin zu papierbasierten Monomaterialien zeigt, wie ernst das Unternehmen seine Verantwortung im Bereich Nachhaltigkeit nimmt.
Während des Rundgangs wurde uns auch erklärt, warum die Werke von Rondo immer in der Nähe ihrer Kunden stehen. Wellpappe enthält sehr viel Luft, wodurch sie zwar leicht, aber auch voluminös ist. Der Transport fertiger Verpackungen über längere Strecken ist daher wirtschaftlich nicht effizient, weil große Mengen unverpresster Ware enorme Transportkosten verursachen. Aus diesem Grund entstehen Produktionsstandorte möglichst nahe bei den Unternehmen, die diese Verpackungen benötigen, darunter auch zahlreiche internationale Unternehmen, die auf die hohe Qualität und Flexibilität der Verpackungslösungen setzen.
Ein Abend, der nachhallt
Nach dem Rundgang kehrten wir zum Konferenzraum zurück – erfüllt, beeindruckt und mit vielen neuen Gedanken zu Nachhaltigkeit, Energie, Ressourcen und den tatsächlichen Abläufen hinter alltäglichen Verpackungen. Bei Häppchen und Getränken ließen wir den Abend in einer gemütlichen Runde ausklingen, führten Gespräche, stellten Fragen und nahmen viele neue Impulse mit nach Hause.
Ursula Hillbrand, unsere Präsidentin, bedankte sich bei Rondo und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den zahlreichen Gästen, u.a. auch aus dem benachbarten Ausland, sowie bei früheren und zukünftigen Vortragenden für ihr Kommen. Sie gab einen Überblick über die kommenden Aktivitäten, besonders den kommenden Termin im Literaturhaus Hohenems.
Es war ein Besuch, der nicht nur informiert, sondern inspiriert hat – und der gezeigt hat, wie viel Innovationskraft und Verantwortungsbewusstsein in einem regional verwurzelten Familienunternehmen stecken können.




